Till Backhaus (SPD), Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, spricht.

Linstow (dpa) – Die deutsche Agrarchemiebranche fordert von der Politik mehr Offenheit gegenüber neuen Technologien und verlässliche Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion. Den Landwirten mache eine «Zwangsökologisierung» zu schaffen, die an den wirtschaftlichen Bedingungen vorbeigehe, sagte der Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar, Frank Gemmer, am Donnerstag auf dem VR-Landwirtschaftstag in Linstow (Landkreis Rostock) vor mehreren Hundert Bauern.

Als Beispiele nannte Gemmer die Probleme der Schweinehaltung, die Abwanderung der Genforschung aus Europa und die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. So wandere Schweineproduktion inzwischen nach Spanien ab. Nach dem Verbot der Käfighaltung von Hühnern würden die Eier inzwischen in Osteuropa produziert.

Agrarminister Till Backhaus sagte, Mecklenburg-Vorpommern habe zwar einen sehr geringen Tierbestand, aber von Umweltbedingungen her gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft. So könne im Nordosten alles produziert werden, was für die Ernährung benötigt werde. Ungeachtet aller Probleme nähmen Geflügel- und die Milchproduktion im Nordosten zu.

In dem Zusammenhang kritisierte der SPD-Politiker den Entwurf eines Tierhaltungkennzeichnungsgesetzes von Bundesminister Cem Özdemir (Grüne). Dieser enthalte grundlegende Fehler. In der Land- und Ernährungswirtschaft in MV sind laut Ministerium 50 000 Menschen tätig. Die Volks- und Raiffeisenbanken werden zu den größten Kreditgebern der Branche gezählt. Das Agrarkreditvolumen betrug 2022 rund 620 Millionen Euro und war damit ähnlich hoch wie in den Vorjahren.